Künstlerische Positionen in der Heinrich Böll Stiftung / Kunst AG

 
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Susanne Wagner

Geboren 1976 in Wertingen (Bayern). Lyrikerin und Schriftstellerin. Lebt derzeit in Budpapest.
Seit 1999 Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Germanistik in Bamberg.
Zahlreiche Veröffentlichungen, Lesungen, Wettbewerbe, Stipendien.



Wiedersehen I

Des Nachts wieder: Steine abtragen
am Fensterrand hindern Fäuste in Furcht,
am Sternenrand
wagen
die verletzten Stufen nicht
den Stand auf Flügelspitzen,
ragen
am still geschärften Saum, am vermissten Blütenrand.
Des Nachts bereiten Steine Steine Steine
sich ganz zersplittert und blutend um
den Mund,
der es ausräumt.
Stein um Stein
Ich kann jetzt nicht schlafen.

In: 2 Jahre und nicht einen Pilger gesehen



Wiedersehen II

Des nachts wieder: halten uns
Gesichter und Hälse umrankt
Des nachts wieder:
legen wir Fallstricke unzählig aus
den Morgen zu vertagen.
Der aber kommt: nimmt Helligkeit
Die Knochenberge aufgetürmt zu Zwillingsbetten
/ wach jetzt
Des Morgens: erschrocken
sehen wir uns an
den papierenen Torso im Gesichterlauf
/ am Nachthemd noch Vogelspuren.

In: 2 Jahre und nicht einen Pilger gesehen




Gedichte auf Tore in Budapest geschrieben